07.09.2013: Mehr Frauen an die Ratstische

Mit einem bunten Bühnenprogramm begeisterte der LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern beim Sterntreffen auf der Gartenschau in Sigmaringen.

 

„Landfrauen bilden eine starke Gemeinschaft“, freute sich Juliane Vees angesichts des Andrangs in Sigmaringen. Die Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern verwies auf ein einzigartiges Netzwerk, in dem viel Arbeit im Ehrenamt geleistet werde. Allerdings erfordere dies die Unterstützung durch die Politik, zumal der Spagat zwischen Beruf, Familie und ehrenamtlichem Engagement größer werde, die Verbandsarbeit mehr Professionalität erfordere und die Aufgaben angesichts des demografischen Wandels noch wüchsen. Sie forderte dazu auf, dieses Engagement konkret z.B. durch Gewährung von Bildungsurlaub auch für ehrenamtliche Tätigkeiten zu honorieren.

 

An die Besucher des Sterntreffens, zu denen LandFrauen aus ganz Baden-Württemberg zählten, richtete sie die Aufforderung, in Zeiten des Wahlkampfes Politikern auf den Zahn zu fühlen und sich auch selbst politisch einzumischen. „Kommunalpolitik ist die Politik des täglichen Lebens und betrifft auch uns Frauen“, so Vees.

 

Wie breit das Engagement der LandFrauen ist und was sie antreibt, zählten die Vizepräsidentinnen Waltraud Allgäuer (Kreis Ravensburg), Renate Benne (Kreis Tuttlingen)und Katharina Stauß (Zollernalbkreis) auf. Vom Plädoyer für Verbraucheraufklärung und der Forderung zur Einführung eines Schulfaches Alltagskompetenz bis hin zur Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels reicht die Palette. Dazu kommt ein breites Bildungsangebot, das LandFrauen unter anderem dazu befähigen soll, ein politisches Mandat auszuüben.

 

Dass es mit der Vertretung der Frauen in der Politik nicht zum Besten bestellt ist, machte eine Talkrunde mit der Vorsitzenden des Landesfrauenrats, Angelika Klingel, der Europaabgeordneten Elisabeth Jeggle, Präsidentin Juliane Vees und Sigmaringens Bürgermeister Thomas Schärer deutlich. Mit einem Frauenanteil im Landtag von nicht einmal 20 Prozent stehe Baden-Württemberg abgeschlagen an letzter Stelle, erklärte Moderatorin Ariane Amstutz. Nicht besser sieht es in den Kommunalparlamenten aus, wo Frauen mit 22 Prozent an den Ratstischen und gar nur mit 16 Prozent in den Kreistagen vertreten sind. Daher setze sich der Landesfrauenrat für eine paritätische Besetzung der Listen zur Kommunalwahl ein, unterstrich Angelika Klingel. Die zu Jahresbeginn erfolgte Änderung im Wahlrecht mit der Einführung einer „Soll-Bestimmung“ reiche bei weitem nicht aus. Dass viele Themen im ländlichen Raum die Frauen betreffen, hob Juliane Vees hervor. Kinder- und Seniorenbetreuung, Nahversorgung, Nahverkehr und vieles mehr sind Themen mit denen Frauen täglich konfrontiert sind. „Das sind alles Themen die uns Frauen besonders betreffen und die von Frauen vertreten werden müssen“, so Vees. In dieselbe Richtung ging auch der Appell von Elisabeth Jeggle, die über die LandFrauenarbeit in die Politik kam. Sie animierte dazu, EU-Projekte zur Förderung von Frauen zu nutzen.

 

Umrahmt wurde das Sterntreffen durch Tanzeinlagen Juniorgruppe Braunenweiler, der Trachtengruppe Biberach-Sigmaringen, der Tanzgruppe Baindt sowie dem LandFrauenchor Sigmaringen. In einem Sketch stellten Landfrauen aus Ehingen dar, wie moderne Verbandsarbeit heute aussieht.