14.10.2013: „Lebensbedingungen für Familien im ländlichen Raum nicht am städtischen Rahmen orientieren – Bildung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Standortfaktoren

Deutscher LandFrauenverband (dlv) und Zukunftsforum Familie (ZFF) veranstalten gemeinsame Tagung „Idylle im Grünen?! – Familie im ländlichen Raum

Berlin, 11. Oktober 2013 – Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) und das Zukunftsforum Familie e.V. (ZFF) hatten erstmalig zu einer gemeinsamen Fachtagung eingeladen. Zahlreiche ExpertInnen waren der Einladung gefolgt und brachten ihre Sichtweisen in die Tagung am 9. Oktober in Berlin ein.

 

„Familien im ländlichen Raum leben im medialen Zeitalter nicht hinter dem Mond, Familienleben in Stadt und Land unterscheidet sich deshalb nicht grundsätzlich. Aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist im ländlichen Raum umständlicher“, so die Einschätzung von Brigitte Scherb, Präsidentin des dlv.

 

Christiane Reckmann, Vorsitzende des Zukunftsforums Familie sprach sich für eine stärkere finanzielle Förderung der ländlichen Räume aus und konkretisierte: „Der Anteil der zur Verfügung stehenden Ganztagesplätze für Kitakinder ist im ländlichen Raum deutlich geringer, hier muss mehr investiert werden!“

 

Prof. Dr. Hans-Liudger Dienel, nexus Institut Berlin, sprach sich in seinem Referat dafür aus, die Vorteile des ländlichen Raumes für Familien stärker zu betonen, wie zum Beispiel mehr Platz für Kinder oder günstigere Mietpreise. Allerdings müsse dabei auch die Unterschiedlichkeit der Regionen und die Verschiedenartigkeit der Lebensverhältnisse akzeptiert und aktiv beworben werden. Konkret empfahl Dienel, die Dorfschulen zu erhalten und hierfür flexiblere gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, da die Auflösung der Schule im Dorf eine Abwärtsspirale in Gang setze.

 

Der Blick in die Praxis zeigte dann auch, dass Bildung und Betreuung für Familien die Standortfaktoren sind. Gesine Homrighausen stellte hierzu die Arbeit und Erfolge des Lokalen Bündnisses Grünheide, Brandenburg vor. Mit einem Bildungscampus, den die Kinder während ihres gesamten Lebens- und Bildungsverlaufes besuchen können, fördert die Gemeinde frühzeitig berufliche Perspektiven für den Gemeindenachwuchs.

 

Der große Diskussionsbedarf der TeilnehmerInnen wurde bereits nach diesen beiden Inputs deutlich. Vertieft wurden die Diskussionen dann in den anschließenden World Cafés, die die Situation von Frauen und Müttern, Kindern und Jugendlichen, Männern und Vätern sowie Seniorinnen und Senioren in den Blick nahmen und dabei auch konkrete Vorschläge hervorbrachten. Neben Infrastrukturfragen wurden dabei die Arbeitswelt und die Zeitpolitik kritisch thematisiert. Auch auf dem Land müsse sich das Berufsleben stärker an den Familien orientieren – und nicht umgekehrt.

 

In der abschließenden Diskussionsrunde hob Uwe Lübking, Beigeordneter im Deutschen Städte- und Gemeindebund, hervor, dass eine regionenspezifische Infrastrukturpolitik notwendig sei. „Kita und Schule sind eine Standortfrage. Wir brauchen angepasste Lösungen, ob Verbundschule oder LehrerInnenmobilität. Hierfür brauchen wir mehr Flexibilität in der Gesetzgebung“. Ingo Behnel, Abteilungsleiter im Bundesfamilienministerium, sieht in dem verstärkten Ausbau der Ganztagsschulen ein wichtiges Handlungsfeld, um das sich das Bundesfamilienministerium in der kommenden Legislaturperiode verstärkt kümmern will. „Auch hier muss man überlegen, wie dies im ländlichen Raum umgesetzt werden kann und dabei flexiblere Lösungen beispielsweise für die Hausaufgabenbetreuung im Blick haben.“ Nicht nur die schulische Versorgung, sondern auch die Absicherung des Personennahverkehrs an die Mittel- und Oberzentren sei eine wichtige Herausforderung für ländliche Kommunen und insbesondere für Familien ein wichtiger Faktor, so die Überzeugung von Thomas Kubendorff, Vizepräsident des Deutschen Landkreistages.

 

Christiane Reckmann und Brigitte Scherb zeigten sich begeistert von der gelungenen Premiere der Zusammenarbeit. Neben einer Stärkung der inhaltlichen Auseinandersetzung und Position, habe die Tagung auch deutlich gemacht: „Kooperation im Sinne der Familien in Stadt und Land ist gewinnbringend!“