Unwirkliche Debatte zur Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen im Landtag - mal wieder ein Schlag ins Gesicht der Frauen

Die SPD-Landtagsfraktion hatte heute eine Debatte zu Equal Pay im baden-württembergischen Landtag angestoßen. Es ging darum auf den Umstand aufmerksam zu machen, dass Frauen, selbst bei gleicher Arbeit, immer noch weniger verdienen als Männer. Die nachfolgende Debatte war aus Sicht des Landesfrauenrats an Zynismus nicht zu überbieten. 

Während die CDU-Fraktion sich die Entgeltlücke klein rechnete, verleugnete die AfD-Fraktion in der Debatte die Lohndiskriminierung von Frauen gänzlich. 

Dazu erklärt Manuela Rukavina Vorsitzende des Landesfrauenrats: „Es ist unredlich, diese Lohnungerechtigkeit und die zu Grunde liegenden Strukturen kleinrechnen zu wollen. Das von Ministerin Schwesig eingebrachte und von der CDU seit Monaten verhinderte Entgeltgleichheitsgesetz ist ein wichtiger Schritt, um Transparenz für Frauen zu schaffen. Wir reden hier auch lediglich von Transparenz - da geht es noch gar nicht um die Beseitigung von mittelbarer und direkter Diskriminierung - man sieht aber an der Debatte, welche Wertigkeit Gleichstellungs-politik in Baden-Württemberg mal wieder hat.“

Die Äußerungen der CDU-Fraktion, dass das Thema Entgeltgleichheit bei jungen Frauen kein Thema mehr sei, stuft der Landesfrauenrat als äußerst zynisch ein: denn die Entgeltlücke wächst mit der Dauer der Berufstätigkeit.

Die AfD-Fraktion verstieg sich sogar dazu, Frauen die falsche Berufswahl vorzuwerfen. Dazu kommentierte Manuela Rukavina weiter: „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Frauen und der ganzen Gesellschaft, wenn den Frauen ihre Berufswahl vorgehalten wird. Die Frage ist doch, was uns z.B. die sozialen Berufe und gute, gleichwertige Arbeit wert sind.“

 

„Es bleibt eine erhebliche Verdienstlücke – von der Entgeltgleichheit sind wir – insbesondere hier im Ländle weit entfernt!“ Da kann die AfD noch so lange diese Realität leugnen. Und die CDU sollte endlich ihre nicht nachvollziehbare Blockadehaltung aufgeben und dafür sorgen, dass allen Frauen das Recht auf Transparenz gewährt bekommen“ kommentiert Vorsitzende Manuela Rukavina.

Der Landesfrauenrat fordert daher die schnellstmögliche Verabschiedung des Entgeltgleichheitsgesetzes, welches Unternehmen verpflichtet ihre Entgeltpraxis transparent zu machen. 

 

Kontakt: Manuela Rukavina, Vorsitzende Landesfrauenrat 01522-9598348

 

Hintergrundinfo: Der Vergleich der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste nach ausgewählten Berufen beendet den Mythos, dass das Ziel gleicher Lohn für gleiche Arbeit

bereits erreicht wäre. In allen Berufen sind die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste der Männer höher als bei Frauen. Ob bei Floristinnen und Floristen, bei Ingenieuren und Ingenieurinnen des Maschinen- und Fahrzeugbaus, bei Raumreinigungskräften oder bei Bürofachkräften, gleiche oder gleichwertige Arbeit wird ungleich bezahlt. Die Entgeltlücke wird sogar durch eine lange Betriebszugehörigkeit nicht. Egal wie lange Kolleginnen und Kollegen dem gleichen Betrieb angehören, die Lohndifferenz bleibt bestehen. Selbst vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen, die länger als 31 Jahre Betriebszugehörigkeit aufwiesen, verdienten durchschnittlich nur 79 % dessen, was ein männlicher Arbeitsnehmer bei gleicher Betriebszugehörigkeitsdauer erhielt. 

 

30.06.2016 Landfrauenrat Baden-Württemberg


Für einen nachhaltigen Kleiderschrank: Alle tragen Verantwortung

Der Deutsche LandFrauenverband appelliert an Politik, Produzenten und Konsumenten, verantwortungsvollen Bekleidungskonsum möglich zu machen.

In Berlin trifft sich derzeit wieder die Modewelt, um während der Berlin Fashion Week vom 28. Juni bis zum 1. Juli 2016 den „neuesten Schrei“ für den Kleiderschrank zu propagieren. Zeitgleich feiert auch die grüne Mode mit der Ethical Fashion Show Berlin ihr 10. Jubiläum. Für den Deutschen LandFrauenverband ist dies Anlass, an die Verantwortung aller Akteure im Textil- und Modebereich und somit für faire Produktionsbedingungen zu appellieren. 

 „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Menschen weltweit gute Arbeitsbedingungen haben und von ihrem Einkommen auch leben können, insbesondere Frauen, die die Hauptlast tragen“, sagt Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. „Verantwortung beim Thema Konsum zu übernehmen, heißt zunächst, seinen Lebensstil zu überdenken. Doch auch die Produzenten sind zum Umdenken aufgefordert, tragen mindestens genauso viel Verantwortung für die Herstellung von Produkten wie die Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung.“

Der Großteil der Bekleidung wird heute in Bangladesch, China, Indien und in der Türkei produziert. Seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza 2013 in Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen im Textilsektor zu einem öffentlichen Thema geworden. Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) begrüßt die Bestrebungen der Politik, etwa im Rahmen des Textilbündnisses der Bundesregierung, zu mehr Nachhaltigkeit zu gelangen. Neben der Politik und der Wirtschaft sieht er aber auch die Konsumenten in der Pflicht.

Nachhaltiger Konsum setzt die richtigen Rahmenbedingungen voraus. In diesem Zusammenhang sieht der dlv die Flut an Labeln und anderen Nachhaltigkeits-Versprechen als Problem, das nicht nur die Bekleidungsbranche hat. „Die Menschen verlieren die Orientierung am Markt und das Vertrauen in die Produkte. Das ist eine Entwicklung, die uns Sorgen bereitet. Die Politik ist gefragt, hier die notwendigen Leitplanken zu ziehen und Wildwuchs zu verhindern“, so dlv-Präsidentin Scherb.

Darüber hinaus fordert der Verband, das Thema Nachhaltigkeit im Rahmen eines Unterrichtsfaches Alltags- und Lebensökonomie in der schulischen Bildung zu verankern. „Einen Knopf annähen zu können, wie man ein Kleidungsstück aufpeppt oder eine Hose kürzt, das gehört für mich ebenso zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen wie beispielsweise das Thema Artenvielfalt im Unterricht“, sagt Brigitte Scherb.

Der dlv hat sich im Rahmen seines Fachausschusses Hauswirtschaft und Verbraucherpolitik mit der Thematik nachhaltiger Bekleidungskonsum auseinandergesetzt und dazu eine Stellungnahme verfasst. Anlass dazu gab u.a. das von der Bundesregierung vorgelegte Nationale Programm für nachhaltigen Konsum. Die Bekleidung ist eines von sechs Konsumfeldern, für die die Bundesregierung Potenzial für mehr nachhaltigen Konsum sieht. Darüber hinaus werden aktuell im Deutschen Bundesstag Anträge der Linken und Grünen zu Transparenz- und Sorgfaltspflichten der Unternehmen in der Textilproduktion beraten. Relevanz hat das Thema außerdem in Bezug auf die Umsetzung der CSR-Richtlinie in nationales Recht.

Das vollständige Positionspapier finden Sie hier...

 

28.06.2016 dlv


LandFrauen fordern Erhalt der fünftägigen Bildungszeit - auch für das Ehrenamt

Erhalt der fünftägigen Bildungszeit für ehrenamtliche Qualifizierungen – Bildungszeit stärkt Ehrenamt

 

Seit einem Jahr (1.Juli 2015) gilt das Bildungszeitgesetz in Baden-Württemberg. Die Einführung der Bildungszeit auch für ehrenamtliche Qualifizierungen im Januar 2016 war ein wichtiges Signal zur Stärkung des Ehrenamts in Baden-Württemberg. Damit wurde das Ende 2015 neu eingeführte Staatsziel „Förderung des Ehrenamts" politisch mit Handlung unterlegt. Mit diesen Schritten werden deutliche Zeichen zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements gesetzt.

 

In Baden-Württemberg ist nahezu die Hälfte der Menschen ehrenamtlich engagiert. Für die Vereine und unsere Gesellschaft bilden Menschen, die bereit sind, Zeit und Energien unentgeltlich für einen guten Zweck zu investieren, eine unverzichtbare Basis. Um Menschen für die Übernahme eines Ehrenamtes zu motivieren und in dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu unterstützen, bedarf es entsprechender Qualifizierungen. Gerade im ländlichen Raum wären wertvolle Angebote im sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich ohne das gemeinwohlorientierte, freiwillige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern nicht vorhanden. Nicht zuletzt bei der Bewältigung des großen Zustroms an Flüchtlingen hat sich wieder gezeigt, wie wertvoll das Ehrenamt für unser Land ist. Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Ehrenamts ist nur mit Qualifizierungen möglich. Die Streichung oder Kürzung der gerade erst eingeführten Bildungszeit für ehrenamtliche Weiterbildungen wären ein Rückschritt und eine Demotivation des Ehrenamts in Baden-Württemberg.

 

Mit ihren speziellen Seminaren „Fit fürs Ehrenamt" unterstützen alle drei LandFrauenverbände Baden-Württembergs die Frauen im ländlichen Raum bei der Ausübung ihres ehrenamtlichen Engagements im Vereinsvorstand.

 

Qualifizierungen im Ehrenamt sichern den Fortbestand und die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der LandFrauenvereine. Deshalb fordern die LandFrauenverbände in Baden-Württemberg den Evaluationszeitraum abzuwarten und dann das Gesetz hinsichtlich der Wirkung zu bewerten.

 

28.06.2016 Arbeitsgemeinschaft der LandFrauenverbände Baden-Württembergs