Unternehmerinnentag 2017 in Bad Saulgau voller Erfolg

Unter dem Motto „Selbstständig und selbstbewusst – sich als Unternehmerin für die Zukunft aufstellen“ bot der Unternehmerinnentag am 8. April 2017 über 100 Teilnehmerinnen umfassende Informationen und Denkanstöße, wie sich Frauen im Spannungsfeld zwischen Betrieb, Familie und Finanzen erfolgreich positionieren und weiterentwickeln können.

 

Mit einer Wasserwaage in der Hand begrüßte Präsidentin Juliane Vees die Teilnehmerinnen, und startete damit schon mit einem Schmunzeln ins Programm. Vees erklärte, dass sie die Waage mit der Beschriftung „Damit der Haussegen nicht schief hängt“ zu Weihnachten bekommen hatte, und zunächst nicht wusste, wie sie das verstehen sollte. Doch dann kam ihr der Gedanke, dass die Wasserwaage auch symbolisch für die Statik in Familie und Betrieb stehen könnte. „Wenn die Wände nicht gerade sind, kann man kein Haus darauf bauen, das Konstrukt wird umfallen.“ Wenn es keine Ausgewogenheit zwischen Be- und Entlastung, zwischen der Frau als Mitunternehmerin und dem Partner gibt, wird der Betrieb auf Dauer instabil sein. Viele Denkanstöße und Tipps, wie diese Ausgewogenheit und Stabilität im Betrieb und in der Familie zu erreichen ist, gaben die Vorträge beim Unternehmerinnentag.

 

"Nehmen Sie sich selbst ernst!"
Die Diplom-Oecotrophologin Anne Dirksen von der Sozioökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschäftigte sich in Ihrem Vortrag mit der Frage: „Bigger, better, Burn-out - wann sind die Belastungsgrenzen für Frauen erreicht?“ und stellte gleich zu Beginn klar, dass es nie DEN Betrieb und DEN Lösungsweg gäbe, doch dass die Probleme der Frauen, die sich im Spannungsfeld zwischen Betrieb, Familie und weiteren Verpflichtungen befänden, oft ähnlich seien. Zukunftsängste, mehr Arbeitsbelastung durch Wachstum des Betriebs, die partnerschaftliche Situation, Einkommens- und Vermögenssicherung, Sorge um die Kinder, Generationenkonflikte, fehlende Akzeptanz und vor allem die Sprachlosigkeit auf den Höfen brächten Frauen oft an ihre Grenzen. Vor allem an guter, richtiger Kommunikation mangele es oft, da dies nie gelernt wurde auf den Höfen. Dirksens Empfehlungen: Reden, reden, reden! Probleme früh genug und deutlich ansprechen, wenn es innerhalb des Betriebs oder der Familie nicht möglich ist, sich externe Hilfe, zum Beispiel in der Beratungsstelle suchen. Sich Auszeiten gönnen. Sich informieren, gerade auch was die eigene Altersvorsorge oder vertragliche Verpflichtungen angeht. Nichts unterschreiben, was man nicht versteht! Und zu guter Letzt: „Nehmen Sie sich selbst ernst! Nur dann werden Sie von anderen auch ernst genommen!“. Dirksens Vortrag folgte eine angeregte Diskussion zum Thema Belastungen im Betrieb und der Familie.

 

"Sprechen Sie Probleme früh genug an - nur dann können wir helfen."
Nach dem Mittagessen erklärte Frau Kirsten Müller, Specialist Programmkredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank Frankfurt, ausführlich, wie die Kreditvergabeprozesse bankintern funktionieren, aus welchen Faktoren sich die Entscheidung für oder gegen die Gewährung eines Kredites zusammensetzt und auf was man bei der Zusammenarbeit mit Banken achten sollte. Auch in der Zusammenarbeit mit Banken sei, laut Müller, eines existenziell wichtig: „Sprechen Sie Probleme rechtzeitig und offen an! Nur dann kann Ihr Bankberater gemeinsam mit Ihnen eine gute Lösung finden.“ In der anschließenden Talkrunde, geleitet von Juliane Vees, brachte auch Ursula Hiller, Betreuerin Landwirtschafts- und Agrargewerbe/Erneuerbare Energien von der Südwestbank ihre Sicht aus dem direkten Kundenkontakt mit ein. Sie bestätigte Müllers Aussage, dass bei der Kreditvergabe zu ca. 30 Prozent auch „weiche“ Faktoren eine Rolle spielen: Wie zuverlässig ist der Kreditnehmer? Kommuniziert er oder sie Probleme offen? Wie war die Zusammenarbeit bisher? Ist er oder sie eine Unternehmerpersönlichkeit, kann er oder sie die Last der Darlehensschuld verkraften? Und auch Frau Hiller bestätigte: „Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Bank, sprechen Sie über Schwächen und Probleme und gehen Sie früh genug auf die Bank zu! Es ist auch eine Kompetenz, seine betrieblichen Schwächen einschätzen zu können.“

 

"Überlegen Sie, bei was ihr Herz hüpft!"

Nach einer kurzen Kaffeepause schloss der Vortrag unter dem geheimnisvollen Titel „Warum Fische nicht auf Bäumen leben“ den Unternehmerinnentag ab. Brigitte Herrmann, Potenzialberaterin, Autorin und eine der Top 100 Excellence Speaker im deutschsprachigen Raum, forderte die Teilnehmerinnen dazu auf, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich ehrlich zu fragen „Was kann ich gut, was bereitet mir Freude?“, und dadurch der Erkenntnis ein Stück näher zu kommen, was denn das eigene Element ist, in dem man sich wohl fühlt und gut ist – eine Erkenntnis, die existenziell wichtig ist für erfolgreiche Unternehmerinnen. Sie ermunterte die Teilnehmerinnen, mehr zu sich zu stehen, öfter „Nein“ zu sagen: „Jedes Mal, wenn Sie zu anderen ‚ja‘ sagen, obwohl sie etwas anderes dringender oder lieber tun würden, sagen Sie ‚nein‘ zu sich selbst!“ Gerade im Hamsterrad zwischen Familie, Betrieb und vielleicht noch Ehrenamt geht vielen das Gespür dafür verloren, was sie gern und gut machen, welche Tätigkeiten ihnen liegen. Doch nur wer das tut, was er gern macht, ist auf Dauer auch gut darin. „Wir sind die Gestalter, nicht die Verwalter des eigenen Lebens“, so Herrmann. Außerdem bestärkte sie die Zuhörerinnen darin, sich ein Netzwerk aufzubauen, Kontakte zu pflegen, auch und gerade zu Menschen aus vielleicht anderen Bereichen, denn nur so kann Inspiration entstehen. Mit diesem vor Motivation und guten Ideen sprühenden Vortrag ging ein spannender und lehrreicher Unternehmerinnentag zu Ende. „Der Tag gab mir viele Impulse, mich als Unternehmerin weiterzuentwickeln und ich weiß jetzt besser, wie ich Belastungen reduzieren kann. Allein das ist schon Gold wert“, so eine Teilnehmerin.

Download
Unser komplettes Programm zum Unternehmerinnentag am 08.04.2017 können Sie sich hier gern als pdf downloaden.
Programm_Unternehmerinnentag 2017.pdf
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Weitere Informationen:

Bildungs- und Sozialwerk der Landfrauen e.V.

Tel.: 0751/ 3607-61

E-Mail: landfrauenverband-wh@lbv-bw.de

 


1. Unternehmerinnentag im Stadtforum Bad Saulgau war ein voller Erfolg

Fast 100 Teilnehmerinnen nahmen am 1. Unternehmerinnentag des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern teil, bei dem die Herausforderungen und Chancen für Familienbetriebe unter besonderer Berücksichtigung der vielfältigen Rollen der Frauen sowie die soziale Absicherung von Frauen im Vordergrund stand.

 

Vorträge:

Familiengeführte Unternehmen auf dem Land - Modell mit Zukunft?
(Vortrag steht unten zum Download bereit)

Mag. Gertraut Hinterseer

Soziologin, Trainerin und Unternehmensberaterin aus Oberösterreich

 

Vorsorge in Familienbetrieben - worauf kommt es an?

Rechtsanwältin Nicole Spieß

Sozialreferentin LBV Stuttgart

 

Turbo im Betrieb - Kolbenfresser in der Familie?

Dipl.-Ing. agr. Rolf Brauch

Bildungshaus Neckarelz

 

 Der 1. Unternehmerinnentag fand mit freundlicher Unterstützung folgender Unternehmen statt:

www.landsiedlung.de

www.lbv-u.de

www.buchstelle-lbv.de

www.suedwestbank.de 


Download
Vortrag von Mag. Gertraud Hinterseer zum Download:
Familiengeführte Unternehmen auf dem Lan
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