Fürsorgearbeit braucht eine höhere Wertschätzung in unserer Gesellschaft

Frauen und Männer setzen bei ihrer Berufswahl unterschiedliche Schwerpunkte. Während Frauen überwiegend im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen sowie im Bereich Erziehung und Unterricht tätig sind, favorisieren Männer technische und handwerkliche Berufsfelder. Insbesondere gesellschaftlich vorherrschende Rollenmodelle fördern dieses Phänomen. Die Beschäftigten in den sozialen Dienstleistungsberufen erfahren dabei oft nicht die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung, die sie verdienen. Dies spiegelt sich vor allem in einer ungleichen Entlohnung wider. Der Deutsche LandFrauenverband begrüßt die Bestrebungen der Bundesregierung, Lohntransparenz gesetzlich zu verankern.

 

Damit Fürsorgearbeit den ihr zustehenden Stellenwert in unserer Gesellschaft erhält, sieht der

Deutsche LandFrauenverband allerdings weiteren Handlungsbedarf.

 

Gesellschaftliche Aufwertung der Fürsorgeberufe

Unsere Gesellschaft muss die Arbeit im sozialen Dienstleistungssektor neu bewerten und stärker wertschätzen. Qualifiziertes Personal ist für eine gute gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sowie Betreuung und Bildung unserer Kinder unverzichtbar. Beschäftigte im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen sichern nachhaltig die Lebensqualität und den Fortbestand unserer Gesellschaft. Der Deutsche LandFrauenverband fordert daher:

  • Das Anstoßen einer gesellschaftspolitischen Debatte über den Wert sozialer Dienstleistungsarbeit
  • Die Aufwertung der Entlohnung von Beschäftigten in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen analog zu „typischen Männerberufen“
  • Einen Maßnahmenplan seitens der Bundesregierung sowie eine zielführende Unterstützung der Landesregierungen, um den finanziellen Mehraufwand in den Kommunen zu sichern

 

Bessere Rahmenbedingungen in der Berufsausbildung der Fürsorgeberufe

Fürsorgearbeit ist Zukunftsarbeit. Begründet durch den demografischen Wandel müssen wir schon heute die Ausbildung und die Zahl der Fachkräfte von Morgen sicherstellen. Die Ausbildung im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich muss qualitativ und quantitativ den Ansprüchen an eine verlässliche Fürsorgearbeit entsprechen.

 

Das vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Pflegeberufsgesetz und die damit verbundene Professionalisierung und Weiterentwicklung der Ausbildungsberufe im Pflege- und Gesundheitsbereich ist dringend notwendig. Für den Deutschen LandFrauenverband sind folgende Mindestanforderungen unumgänglich:

 

  • Dem prognostizierten Fachkräftemangel nachhaltig und konzeptionell entgegenwirken
  • Bereits die Ausbildung vergüten und Schulgeld abschaffen
  • Die Ausbildung so reformieren, dass die qualitativen Standards an Gesundheits- und Pflegeberufe nicht geopfert werden und die spätere Durchlässigkeit und Flexibilität innerhalb der Be-rufsgruppen ermöglicht wird
  • Teil guter Rahmenbedingungen sind Aufstiegs- und Karrierechancen, die heute unumgänglich sind, um ein Berufsbild attraktiv für junge Menschen zu machen und ihnen langfristige Perspektiven zu eröffnen

 

Erwerbstätigkeit von Frauen stärken

Am Arbeitsmarkt ist die Zahl der Erwerbstätigen deutlich gestiegen. Vor allem bei der Erwerbstätigenquote der Frauen kann ein Wachstum verzeichnet werden. Bei der Form der Arbeitsverhältnisse hingegen unterscheiden sich Frauen und Männer stark. So ist das Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen nicht nur durch weibliche Beschäftigte, sondern auch durch Teilzeitarbeit und Minijobs geprägt. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen dominieren geringe Bruttoarbeitsentgelte. Daher fordert der Deutsche LandFrauenverband:

  • Durchsetzen gesetzlich verankerter Lohntransparenz
  • Flexible Teilzeitregelungen, garantiertes Rückkehrrecht in Vollzeitstellen
  • Minijob darf nur als Einstiegshilfe aus der Erwerbslosigkeit verstanden werden und keine dauerhafte Form der Beschäftigung darstellen
  • Festlegen eines verbindlichen Personalschlüssels in der Fürsorgearbeit, der eine gute Pflege und Betreuung garantiert und zur Entlastung der Beschäftigten im Berufsalltag beiträgt
  • Maßnahmen zur Zusatzqualifizierung und Weiterbildung ermöglichen, anerkennen und finanziell würdigen

 

Nur durch die Umsetzung dieser Forderungen ist es möglich, erwerbstätigen Frauen in der Fürsorge die ökonomische Unabhängigkeit im Arbeitsleben und später die eigenständige Existenzsicherung im Rentenalter zu ermöglichen. Die entstehenden Mehrkosten dieser notwendigen Reformen und Anpassungen dürfen nicht allein von den Leistungsempfängern getragen werden, sondern müssen als staatliche Aufgabe aus Steuermitteln sichergestellt werden. Ohne die finanzielle und ideelle Aufwertung der Fürsorgearbeit ist die flächendeckende Sozialversorgung auf Dauer nicht gewährleistet.

 

Vom Präsidium des dlv verabschiedet am 17.05.2016