Regionale und saisonale Lebensmittel wertschätzen! 

Im Kreis Freudenstadt hatten die LandFrauen beim Naturparkmarkt in Dornstetten einen Informationsstand rund um das Thema „Nahrung wertschätzen“ mit Verköstigung von Kartoffeln, Milchprodukten und Pilzen.

 

Bei der Veranstaltung gab es Tipps zum Einkauf vor Ort. Zudem wurde auf den Preisverfall bei heimischen Lebensmitteln aufmerksam gemacht und die Verbraucher/innen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert.

 

Die ausgefüllten Flüstertüten mit Anregungen für die Politik gingen dann mit der Einmisch-Kiste „Emma“ zur Übergabe in den Bundestag nach Berlin.


Landgastgeberinnen fit für ihren Betrieb - LandFrauentag Freudenstadt in Lützenhardt

Mit ihren vielfältigen Aktivitäten bereichern LandFrauen das Leben in den Dörfern. Ohne ihre Arbeit wäre der ländliche Raum ein ganzes Stück ärmer. Wie ein roter Faden zog sich dieses Lob durch sämtliche Grußworte beim LandFrauentag des Kreises Freudenstadt im vollbesetzten Kursaal in Lützenhardt.

 

Der Rückblick der Kreisvorsitzenden Katharina Schmelzle machte deutlich, wie breit die Arbeit der LandFrauen angelegt ist. Dabei freute sie sich, dass das Seminar zur Kommunalpolitik Früchte getragen hat und nun Juliane Vees nicht mehr als einzige Frau im Kreistag vertreten ist. „Nur wenn Frauen sich aktiv einmischen, können sie ihre Sicht der Dinge in die kommunalpolitischen Gremien einbringen und den ländlichen Raum nach ihren Bedürfnissen mitgestalten“, betonte sie.

 

Diesem Anliegen konnte Landrat Dr. Klaus Michael Rückert nur beipflichten. LandFrauen seien tief und fest verwurzelt in der Heimat, aber dennoch innovativ und weltoffen. Auch in immer mehr Betrieben habe sich die Bäuerin zur selbstbewussten Mitunternehmerin entwickelt, stellte Landtagsabgeordneter Norbert Beck fest. Oft würden sie mit neuen Standbeinen zur Einkommenssicherung beitragen. „Doch dabei dürfen Sie sich selbst nicht vergessen. Gehen Sie gut mit sich um“, appellierte er an die Landfrauen. Da sich die Lebenswelten von Frauen und Männern noch immer unterschieden, liege es nahe, dass sich Frauen zusammenschließen und sich gegenseitig den Rücken stärkten, erklärte Waldachtals Bürgermeisterin Annick Grassi. Gleichzeitig sorgten sie mit ihrem Angebot für einen attraktiven ländlichen Raum. Landfrauen hätten als Botschafterin für die Landwirtschaft eine wichtige Aufgabe in der Öffentlichkeit. Das könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, unterstrich Gerhard Fassnacht. Gleichzeitig verwahrte sich der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Freudenstadt gegen unberechtigte Kritik, zumal die Landwirte mehr Tierschutz und mehr Naturschutz denn je betrieben und Lebensmittel noch nie so vielseitig und gut waren wie heute.

 

Dass Bäuerinnen und Bauern mit viel Verantwortung ihrer Arbeit auf den Höfen nachgehen, betonte auch Juliane Vees, Präsidentin der LandFrauen Württemberg-Hohenzollern. Landwirte wollten ihren Hof erhalten und für die Zukunft weiterentwickeln. „Wir denken in Generationen und nicht in Geschäftsjahren“, machte sie deutlich. Nachholbedarf machte sie dagegen bei der sozialen Absicherung von Frauen aus. „Wir Frauen der Babyboomer-Generation sind so gut ausgebildet, wie keine Generation zuvor. Doch wir merken nach und nach, dass nicht die zunehmenden Falten unser größtes Problem sind, sondern der Rentenbescheid“, sagte sie. Ursache sind Lücken in der Erwerbsbiografie, die zu mangelhafter Absicherung im Alter führten. Vees kündigte an, dies beim ersten Unternehmerinnentag des Verbandes am 18. April 2015 in Bad Saulgau zu thematisieren.

 

Dass die öffentliche Diskussion für die Landwirtschaft zunehmend schwieriger werde, räumte Joachim Hauck vom Ministerium Ländlicher Raum ein. Angesichts einer stark wachsenden Weltbevölkerung habe die Landwirtschaft dennoch gute Perspektiven. Da die Rentabilität in manchen Bereichen zu wünschen übrig lasse und die Preise auf freien Märkten immer stärker schwankten, müssten sich die Betriebe neue Standbeine suchen. Ein solches Standbein könne im Nordschwarzwald der Tourismus sein. Mit der Qualifizierung zur Landgastgeberin erhielten interessierte Frauen ein gutes Rüstzeug, um zusätzliche Wertschöpfung zu schaffen. Im Anschluss überreichte Hauck elf Kursteilnehmerinnen ihre Zertifikate. An der Qualifizierung, die vom Land und von der EU als Innovative Maßnahme für Frauen im Ländlichen Raum mitfinanziert wurde, haben teilgenommen: Silke Baur, Ergenzingen; Cornelia Bürkle, Lossburg; Anja Duss, Bad Herrenalb; Anni Harr, Freudenstadt; Karin Harr, Freudenstadt; Dorothee Hirschfeld, Pfalzgrafenweiler; Jutta Mast, Baiersbronn; Edeltraud Müller-Foucar, Freudenstadt; Margarete Raible, Nagold; Gabi Rauser, Freudenstadt und Melanie Schweikart, Bad Rippoldsau.

 

Nach einem ereignisreichen Nachmittag dankte die stellvertretende Kreisvorsitzende Ingrid Bok allen Gästen und wünschte sich ein baldiges Wiedersehen bei den interessanten Bildungsangeboten und kommenden Lehrfahrten der LandFrauen. Infos dazu finden sie in der Navigation unter "Veranstaltungen" beim Kreisverband Freudenstadt.

 


LandFrauen bei der Übergabe der Urkunden für die neuen LEADER-Gebiete 2014-2020

v. l: Kreisvorsitzende Waltraud Allgäuer, Minister Alexander Bonde, Kreisvorsitzende Katharina Schmelzle und Kreisvorsitzende Elfriede Elser freuten sich, dass Ihre Aktionsgruppen den Zuschlag für die neue Förderperiode bekommen haben.
v. l: Kreisvorsitzende Waltraud Allgäuer, Minister Alexander Bonde, Kreisvorsitzende Katharina Schmelzle und Kreisvorsitzende Elfriede Elser freuten sich, dass Ihre Aktionsgruppen den Zuschlag für die neue Förderperiode bekommen haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LEADER ist ein Regionalentwicklungsprogramm der EU und ermöglicht eine bürgerschaftlich getragene Regionalentwicklung. Auch die LandFrauen engagieren sich in den LEADER-Gebieten für die ländliche Entwicklung vor Ort. Am 7. Januar 2014 wurde den 18 Regionen die den Zuschlag für die neue Förderperiode bis 2020 erhalten haben im neuen Schloß in Stuttgart die Urkunden überreicht.

 

Bildquelle: Privat

                                                                                                                                                                             


Unsere bäuerlichen Familienbetriebe - authentisch und hautnah

Unter diesem Motto fand der diesjährige Neujahrsempfang der Stadt Horb am 26. Januar statt.

 

Zusammen mit dem Bauernverband Freudenstadt und deren Kreisobmann Gerhard Fassnacht aus Altheim und dem LandFrauenverband Freudenstadt, vertreten von der Präsidentin Juliane Vees aus Weitingen, hatten wir die Chance, die heutige Landwirtschaft den Gästen aus dem ganzen Kreisgebiet näher zu bringen.

 

Wir wollten statt des klassischen Grußworts den über 500 Besuchern die Möglichkeit geben, sich ein Bild von den Menschen, die hinter diesen Betrieben stehen, zu machen. Jede Familie sucht nach eigenen Wegen, um ihren Hof zu erhalten und ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Uns war es wichtig, ihnen die Vielfalt der heimischen Landwirtschaft zu zeigen und das hohe Verant-wortungsbewusstsein unserer Familienbetriebe näher zu bringen.

 

Stefan Schäfer aus Betra und Ferdinand Kreidler aus Dießen zeigten, dass wir die Bevölkerung täglich mit frischen, gesunden und regionalen Lebensmittel versorgen. Wir wirtschaften nachhaltig und kümmern uns um die Offenhaltung und regelmäßige Pflege unserer Kulturlandschaft, einen Einblick dafür gab es von Michael Kessler aus Ahldorf und Gregor Gramer aus Bildechingen.

 

Zudem leben die Familien in unserer Region im dauerhaften Bewusstsein, die Traditionen zu bewahren, ohne altmodisch zu sein, sowie Werte wie Leistung, Verantwortung, Stabilität und Erhalt der Ressourcen im Alltag zu leben, wie Sarah Kugler in ihrem Beitrag vermittelte.

 

Hier gibt es jederzeit die Möglichkeit auf vielen Betrieben im Kreis mit Lernort Bauernhof-Projekten oder Führungen die hiesige Landwirtschaft kennenzulernen. Landwirtschaft heute ist aber vor allem auch ein Wirtschaftszweig, das Wort „Land-Wirtschaft“ zeigt dies bereits. Ein Wirtschaftsbereich, der so vielseitig ist, wie selten in den Jahrhunderten vorher. Diversifizierung und neue Einkommensquellen zu erschließen, ist heute mehr denn je eine Notwendigkeit, davon berichtete Maria Schittenhelm aus Kälberbronn.

 

Oft tragen die Frauen mit neuen Betriebszweigen zu einem erheblichen Teil zum Einkommen der Betrieb bei. Egal ob im Haupterwerb oder als Nebenerwerbsbetrieb, der Erhalt des Betriebes ist hier immer die größte Triebfeder. „Was sich die Gesellschaft unter Landwirtschaft vorstellt ist leider allzu oft eine Bilderbuchidylle, wie wir sie noch nie hatten und auch nicht haben werden“, erklärte hierzu Juliane Vees. Den Zuhörern machte sie klar, dass die Bilder in der Werbung nicht die Realität abbilden und, wenn sie ehrlich seien, wüssten sie das auch alle. Vees fragte nach, wann sie zuletzt in der freien Natur einen Mönch mit Wohlstandbauch gesehen hätten, der in einer Holzschüssel Käse anrührt. Sie sollten sich also alle davor hüten, hier reflexartig die Ideologien zu bedienen und die heutige, moderne Landwirtschaft mit all ihren Facetten annehmen. Schließlich wolle sich ja auch niemand in anderen Bereichen wie anno dazumal bedienen lassen, oder ob jemand Interesse an einer Zahnarztbehandlung mit Holzhammer und Reißzange habe? „Nein, sicher nicht!“, war die einstimmige Antwort.

 

„Dann werden sie auch verstehen“, erklärten die Beteiligten den Gästen, „dass wir als Bäuerinnen und Bauern auch nicht mehr mit dem Pferdefuhrwerk ackern wollen und unsere Tiere nicht in enge, dunkle Ställe unter der Treppe pferchen möchten.“ „Wir übernehmen täglich – und hier meinen wir wirklich täglich! - Verantwortung für Natur, Boden, Tiere und für die Menschen, die mit und für uns arbeiten und für die wir Lebensmittel, erneuerbare Energien und eine lebenswerte, gepflegte Umwelt produzieren und erhalten“, so die Aussagen der Landwirte und LandFrauen. Dafür wünschen wir uns die Unterstützung der Verbraucher bei ihrem täglichen Einkauf, denn sie halten den Schlüssel für die Art, Herkunft und Qualität der angebotenen Produkte in der Hand! Wenn sie BILLIG wollen, bekommen sie auch BILLIG von irgendwoher. Dabei gibt in Deutschland der Durchschnittshaushalt nur rund 11 bis 13 Prozent des Einkommens für Lebensmittel aus. So günstig isst kein Land in der EU. Zu verantwortungsbewusstem Käuferverhalten gehört auch der Einkauf mit Maß und Ziel, damit nicht weiterhin über ein Drittel unserer Lebensmittel im Müll landen.

 

Wir baten daher um das Vertrauen in unsere wertvolle und anspruchsvolle Arbeit und erhoffen uns auch weiterhin Akzeptanz für unsere bäuerlichen Familienbetriebe im Kreis Freudenstadt.

Zuletzt luden wir zum Dialog ein und stellten die heimischen Produkte am Infostand vor. Die dort präsentierten Lebensmittel haben wir anschließend an den Tafel-Laden des Caritas-Verbandes in Horb gespendet. Das LandFrauen-Cafe der Horber LandFrauen, organisiert von Ulrike Fassnacht und Ingrid Bok, sorgte bestens für das leibliche Wohl.

 

Insgesamt war es ein sehr gelungener Nachmittag mit sehr großer, positiver Resonanz für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe im Kreis Freudenstadt.

 

(Juliane Vees)

 


Lehrstunde zum "Buch mit sieben Siegeln"

Beim Seminar "Unser Landkreis braucht Frauen" gibt Bürgermeister Link Einblick ins kommunale Finanzwesen

 

Bürgermeister Gerhard Link, verantwortlich für die Finanzen der Stadt Freudenstadt und als Kreistagsmitglied auch bestens vertraut mit dem Haushalt des Kreises, gab vor kommunalpolitisch interessierten Frauen Einblick in die Etats von Stadt und Kreis, damit die Haushaltspläne ihren Schrecken als "Buch mit sieben Siegeln" verlieren.

 

Das Seminar "Unser Landkreis braucht Frauen", organisiert von Frauennetzwerk Freudenstadt und dem LandFrauenverband Freudenstadt in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, will Frauen für kommunalpolitische Ämter interessieren. Es steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Klaus Michael Rückert und hatte bei seinem dritten Workshop die kommunalen Finanzen auf dem Programm.

 

Bürgermeister Gerhard Link, Diplom-Verwaltungswirt und als versierter Herr der Zahlen auch verantwortlich für Kindergärten, Schulen, Bauamt, öffentliche Sicherheit und vieles mehr, gab seinen Zuhörerinnen einen rasanten Überblick über die Rechtsgrundlagen der Kommunalverwaltung, Haushaltsplan jetzt und künftig sowie die Jahresrechnung und die Finanzbeziehungen von Bund, Land, Kommunen und EU.

 

Den Zuhörerinnen schwirrte der Kopf. Link tröstete, dass auch männliche Kreisräte nicht immer alles verstünden. Link: "Wir brauchen mehr Frauen in der Politik. Ich unterstütze Ihr Vorhaben und wünsche Ihnen viel Erfolg". Und schließlich könne man seinem Haushaltsentwurf auch vertrauen. Das möchten die kommunalpolitisch interessierten Frauen aber doch lieber nicht, sondern wollen sich eher auf gute Vorbereitung stützen und dann die richtigen Fragen stellen.

 

Den zweiten Teil des Nachmittags bestritt Dorothea Maisch, Stadträtin von Gaggenau und Kreisrätin in Rastatt, selbständige Unternehmerin und Trägerin des Helene-Weber-Preises 2009. Mit diesem nach einer der "Mütter" des Grundgesetzes benannten Preis, den sie als erfolgreiche Nachwuchspolitikerin erhielt, hat Dorothea Maisch einen frauenpolitischen Stammtisch begründet. Sie hat als "Stimmenkönigin" bei der letzten Kommunalwahl den Fraktionsvorsitz übernommen und das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters ihrer Gemeinde. Sie referierte über Macht und Führung und hat auch nach neun Jahren in der Kommunalpolitik noch jede Menge Spaß an ihren Ehrenämtern. "Man entwickelt sich auch persönlich weiter" ist ihr Fazit. Sie gab freimütig Tipps aus der Praxis und Beispiele für erfolgreiche Themensetzung.

 

 

(Ursula Mertzig-Stein)

 

LandFrauen bitten zu Tisch

Unter dem obigen Motto der Begegnungstage 2013 nahmen wir am Sonntag, den 8. September 2013, an der Gläsernen Produktion auf dem Betrieb von Ulrike und Gerhard Fassnacht teil.

 

Wir nutzten den schönen Tag, um viele Besucher auf die Themen und Aktionen der LandFrauen aufmerksam zu machen.

 

Besonders haben wir uns gefreut, dass unsere Ehrenpräsidentin und Ehrenvorsitzende der LandFrauen im Kreis Freudenstadt,

Ruth Wössner, an unserem Stand vorbeikam.



Aktion "Familienfreundlicher Landkreis"

Der demografische Wandel wirkt sich auf die Attraktivität der Kommunen aus. Der LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern und das FrauenNetzwerk Freudenstadt haben bei einer gemeinsamen Veranstaltung nachgefragt, wie attraktiv die ländlichen Kreise für Familien sind.

 

Werden Frauen die Folgen des demografischen Wandels sichtbar mitgestalten, oder bleibt das Männersache?  

Mitdiskutiert haben: Juliane Vees, Martin Zerrinius, Melanie Nagel, Peter Rosenberger, Dr. Carmina Brenner, Edith Barth und Monika Stelzer-Podschwadt (von links)

 

Sind die ländlichen Kreise schon familienfreundlich oder müssen sie es erst noch werden? Was muss getan werden, und muss überhaupt etwas getan werden, damit der ländliche Raum für Familien attraktiv bleibt? Damit weniger Familien in die Ballungszentren abwandern oder mehr Familien von außen in den ländlichen Raum zuziehen? Doch sind es tatsächlich nur junge Familien, die mit ihrem Bedürfnis nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorgeben, was familienfreundlich ist?

 

Aus dem Zahlenwerk, das die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, vorgetragen hat, wurde deutlich, dass man den Begriff Familienfreundlichkeit von dem der Seniorenfreundlichkeit fast nicht trennen kann. Die statistischen Zahlen waren ernüchternd. Seit 2005 sterben landesweit mehr Einwohner als geboren werden und es wandern mehr ab als zuziehen. Die negativen Salden blieben auch für die Zukunft weitgehend erhalten. Dazu komme ein Anstieg der Lebenserwartung. Die früher tannenförmige Alterspyramide habe sich im Lauf der Jahre in einen Pilz verwandelt. Im Jahr 2033 gebe es doppelt so viele Alte wie Junge.

 

Weniger Kinder könne bedeuten, dass Kindergärten geschlossen werden müssen. „Kleinere Hauptschulen könnten Probleme bekommen“. Wobei die Politik noch davor zurückschrecke, Grundschulen zu schließen, da das Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ noch unangefochten sei, so Brenner. Für leer stehende Gebäude müssten andere Nutzungen gefunden werden. Wohnen Senioren irgendwann in Schulen? Oder suchen Kommunen händeringend nach Schülern?

 

Der demografische Wandel wirke sich auch auf die Wirtschaft aus, so Brenner. Die Unternehmen erkennten zunehmend den Wert älterer, erfahrener Mitarbeiter. Umso wichtiger werde das Gesundheitsmanagement in den Betrieben. Frauen werden zunehmend als Mitarbeiterinnen interessant, gleichzeitig sollen sie genug Kinder gebären und sind in den Familien als Altenpflegerinnen gefragt.

 

In diesem Szenario werde jede Frau zur "Zukunftsressource", so Juliane Vees und eröffnete den Diskussionsteil der Veranstaltung. Dazu waren die Ortsvorsteherin und LandFrau Edith Barth („Ich will einen familienfreundlichen Ort haben.“), die SPD-Stadträtin Melanie Nagel

(„Ich erlebe es als Problem, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen.“), Polizeidirektor Martin Zerrinius („Ich bin gerne mit guten Nachrichten gekommen.“) und Oberbürgermeister Peter Rosenberger aus Horb („Wie kann man eine Familie gut organisieren, damit auch Frauen arbeiten können?“) geladen. Als Oberbürgermeister sieht sich Rosenberger in der Pflicht, ausreichend Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. „Wir steuern in Horb darauf zu, für 50 Prozent der Kleinkinder eine Betreuung anzubieten.“ Mit aktuell 36 Prozent sei die gesetzliche Anforderung schon übererfüllt. Auch die Betreuung in Rand- und sogar Schichtzeiten sollte langfristig abgedeckt werden. Melanie Nagel forderte ein Umdenken bei Frauen. Kinder früh abzugeben habe nichts mit Rabenmüttern zu tun, sondern ein „frühes Abgeben tut auch Kindern gut“. Doch gebe es kein Betreuungs-Patentrezept für Familien. Es müsse Wahlfreiheit geben. Den Jugendlichen müsse man zeigen, dass es sich lohne, nach der Ausbildung wieder zurückzukommen.

„Die heile Welt gibt es auch im ländlichen Raum nicht“, sagte Martin Zerrinius. Aber es gebe in ländlichen Landkreisen vergleichsweise weniger Verkehrsunfälle, eine geringere Kriminalitätsrate und Kinder wüchsen in relativer Sicherheit auf. Das könnten Gründe für einen Zuzug sein. Für Arbeitnehmer sei Flexibilität in der Arbeitszeit maßgebend. Familienfreundlichkeit in einem Teilort bedeutet für Ortsvorsteherin Edith Barth ausreichend Kindergärten zu haben – und, daran arbeitet sie, betreutes Wohnen für Senioren. Monika Podschwadt-Stelzer wies auf die Beteiligung von Frauen in entsprechenden Gremien hin, um die Entwicklung mitzugestalten.

 

Das Thema familienfreundlicher Landkreis wurde von vielen Seiten beleuchtet. „Ein Zukunftsthema werden die Senioren sein“, sagte Juliane Vees. Mit dem demografischen Wandel gehe ein Wandel in den Kommunen und Familien einher. Dennoch könnten die traditionellen Familienmodelle mit Verantwortlichkeit für den anderen, weniger Egoismus und mehr Fürsorge auch dazu beitragen, den ländlichen Raum attraktiv zu halten.

 

(Juliane Vees)