Baden-Württemberg: Wann wird der Wolf zum Problemwolf?

27. September 2018 – Die Arbeitsgemeinschaft der LandFrauenverbände Baden-Württembergs hatte am 19. September 2018 Peter Hauk, MdL, den Bürgermeister von Bad Wildbad, Klaus Mack, und Wolf-Experte Dr. Micha Herdtfelder zu einer Informationsveranstaltung nach Bad Wildbad eingeladen. Thema war die Vermittlung von Wissen über den Wolf und die Suche nach einem konstruktiven Umgang mit den Herausforderungen, denen sich Bevölkerung, Jäger, Forstwirte und Nutztierhalter in Baden-Württemberg stellen müssen.

 

Juliane Vees, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, ging auf das zentrale Dilemma ein: „Gemischte Gefühle begleiten die Rückkehr des Wolfes in den deutschen Südwesten. Einerseits ist er strengstens geschützt. Nun wird jedoch der Konflikt und die sinkende Akzeptanz – vor allem bei den Tierhaltern und zunehmend auch beim Tourismus und der ländlichen Bevölkerung – zum Zankapfel“. Eine zentrale Frage war: Wann wird der Wolf zum Problemwolf?

 

Klaus Mack, Bürgermeister von Bad Wildbad, erläuterte die Folgen des Wolfrisses, der im Frühjahr stattgefunden hatte und bei dem mehr als 40 Schafe umkamen: „Eltern machen sich Sorgen wegen des Waldkindergartens, Touristen sagen ab. Auch die Bevölkerung nimmt den Wolf als erhöhte Gefahrenlage wahr.“ Neben den individuellen Sorgen der Menschen wies er jedoch auf zwei zentrale Themen hin: Weidetierhaltung und Naturschutz. Mack: „Wie kann man kleinteilige Grundstücke durch Weidetiere zukünftig noch offen halten? Wenn die Landwirte wegen des Wolfes mit der Weidetierhaltung aufhören, hat der Schwarzwald ein echtes Problem.“

 

Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg ist Wildtierökologe und Fachmann, wenn es um die Themen Wolfsmonitoring und Forschung geht. Er lieferte Fakten: Der ausgewachsene wilde Wolf habe in der Regel kein Interesse am Menschen und gehe Begegnungen aus dem Weg. Neugierige Jungwölfe stellten keine Gefahr dar. Kritisches Verhalten von Wölfen könne sich jedoch durch Anfüttern entwickeln: „Erhalten Wölfe über längere Zeit Futter aus menschlicher Hand oder finden sie häufig Essensreste an Grillstellen, so kann es dazu kommen, dass auch der erwachsene Wolf sich Menschen aktiv annähert. In solchen Fällen besteht Handlungsbedarf, unter Umständen muss der Wolf geschossen werden,“ erklärte Herdtfelder. Denn Unfälle zwischen Mensch und Wolf ließen sich entweder auf Futterkonditionierung zurückführen – oder aber auf die hier nicht mehr vorhandene Tollwut. Entwarnung gab er hinsichtlich von Waldkindergärten. Hier, erklärte Herdtfelder, sehe er auch bei sesshaften Wölfen in Baden-Württemberg keine Gefahr für den Menschen.

 

Das war das Thema von Minister Peter Hauk: „Wir werden dem Wolf ganz realistisch begegnen müssen.“ Er stellte fest, dass der Wolf zwar Teil der Artenvielfalt in Baden-Württemberg sei und der Artenschutz hier greife. Doch wies auch er auch auf die Bedeutung von Nutztieren hin. Grasfresser seien wichtig für den Naturschutz und die Offenhaltung der Flächen. Die Kosten der Haftpflichtversicherung für Weidetierhalter würden jedoch durch den Wolf steigen. Hauk: „Was passiert, wenn eine Herde vom Wolf auf eine Straße gehetzt wird und es kommt zu Unfällen mit Toten?“. Auch wünschte er sich eine differenzierte Sichtweise bezüglich des Artenschutzes: Im Wald sei der Schutz des Wolfes erforderlich – doch auf der Weide und in der Stadt müsse man den Wolf auch abschießen dürfen.

 

Nach einer Fragerunde zu diesem emotionalen Thema, moderiert durch Sabine Schmidt, Landesgeschäftsführerin der LandFrauen Württemberg-Hohenzollern ergab sich das Meinungsbild, dass eine unkomplizierte Entschädigung der betroffenen Tierhalter bei Wolfsrissen erfolgen muss. Zudem sollten die Vollkosten für die Errichtung des Wolfsschutzes übernommen werden, da für die Tierhalter der Aufwand nicht leistbar ist und zu Lasten der Flächenoffenhaltung geht. Die Ängste und Sorgen der Menschen in den betroffenen Gebieten müssen ernst genommen werden und es bedarf dringend weiterer Aufklärung.

(v.l.n.r.)Bildungsreferentin Dr. Beate Arman vom LandFrauenverband  (LFV) Württemberg-Baden,  Landesgeschäftsführerin Sabine Schmidt LFV Württemberg-Hohenzollern, Dr. Micha Herdtfelder, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Bürgermeister Klaus Mack, Vizepräsidentin Waltraud Allgäuer LFV Württemberg-Hohenzollern, Minister Peter Hauk MdL, Präsidentin Juliane Vees LFV Württemberg-Hohenzollern, Vizepräsidentin Christa Fuchs LFV Württemberg-Hohenzollern, Vizepräsidentin Kerstin Mock LFV Südbaden, Präsidiumsmitglied Renate Wolf LFV Württemberg-Baden, Landesgeschäftsführerin Birgitta Klemmer LFV Südbaden.


LandFrauen aus Württemberg-Hohenzollern sind Unternehmerinnen des Jahres

Ludwigshafen, 4. Juli 2018 - Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) hat beim LandFrauentag in Ludwigshafen drei Unternehmerinnen des Jahres 2018 ausgezeichnet. Zwei davon kommen aus Baden-Württemberg. Alle zwei Jahre vergeben der dlv und der Deutsche Landwirtschaftsverlag den Preis „LandFrauen mit Ideen – Unternehmerin des Jahres“ an beruflich engagierte Frauen, die mit kreativen Ideen und unternehmerischem Geschick ein landwirtschaftliches Unternehmen oder ein Unternehmen auf dem Land führen. Dieses Jahr haben mit Andrea Göhring und Linda Kelly, gleich zwei LandFrauen aus dem LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern und beide aus dem Landkreis Sigmaringen, zwei der drei Preise gewonnen.

 

Andrea Göhring aus Rulfingen gilt mit ihrem bundesweit einzigartigen Betriebszweig der tiergestützten Therapie  und Pädagogik mit Bauernhoftieren als echte Pionierin. Statt Delphinen oder Pferden hat Göhring ein vielseitiges Team aus Co-Therapeuten: Kühe, Ziegen, Minischweine, Schafe, Esel, Kaninchen und Hühner unterstützen die Therapiearbeit mit ihren jeweiligen spezifischen Qualifikationen. Ihre Erfahrungen mit dieser neuen Art der tiergestützten Therapie hat Andrea Göhring im Buch „Bauernhoftiere bewegen Kinder“ zusammengefasst, das letztes Jahr erschienen ist. Neben ihrer Tätigkeit als Therapeutin engagiert sie sich auch in der Bauernhofpädagogik. Im Rahmen ihres Betriebszweiges „Landwirtschaft zum (Be-)greifen“ bietet Göhring Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit Landwirtschaft selbst zu begreifen. Rund 100 Veranstaltungen zu diesem Thema finden jedes Jahr auf dem Bio-Hof statt.

 

Linda Kelly aus Herdwangen zeigt, wie die Spezialisierung auf Sonderkulturen mit einer innovativen Verarbeitung und Vermarktung der eigenen Produkte zum Erfolgsfaktor werden kann. Kelly hat den elterlichen Bio-Hof auf den Anbau und die Vermarktung von Süßlupinen, Mohn und anderen Sonderkulturen umgestellt. Sie ist für Produktion, Direktvermarktung, Marketing, Werbung, Verpackung und Versand alleine zuständig. Eines ihrer Produkte ist ein Süßlupinenkaffee, der im hofeigenen Online-Shop vermarktet wird. Außerdem bietet sie noch selbsthergestellte Produkte wie Mohnöl oder Lupinenflocken an. Linda Kelly hat es so geschafft, den Umsatz ihres Unternehmens seit der Gründung bis heute zu verzehnfachen. Der Erzeuger-Verbraucher-Dialog liegt Linda Kelly sehr am Herzen. Sie bietet auf ihrem Bio-Hof auch „Farmwatching“ an, bei dem sie anderen Menschen die Möglichkeit gibt, ihr über die Schulter zu schauen und Landwirtschaft hautnah zu erleben.

 

Der LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern mit Präsidentin Juliane Vees freut sich sehr über den Erfolg der beiden LandFrauen. Vees: „Frauen im Ländlichen Raum, die etwas Eigenes aufbauen oder als Mitunternehmerin erfolgreich sind, sind tolle Vorbilder für andere Frauen. Mit vielen Angeboten wie Existenzgründungskurse, Unternehmerinnentage, Schulungen zu Social-Media- und Onlinemarketing u.v.m. stärken und vernetzen wir Frauen und Unternehmerinnen und geben ihnen wertvolles Rüstzeug an die Hand“.

                                          Andrea Göhring                                                                                         Linda Kelly


Ehrenpräsidentin Ruth Wößner verstorben

Ravensburg, 12. April 2018 - LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern trauert um eine Kämpferin für die Frauen im ländlichen Raum

 

Am 12. April verstarb im Alter von 82 Jahren die Ehrenpräsidentin des LandFrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern, Ruth Wößner aus Loßburg-24 Höfe (Landkreis Freudenstadt). „Mit unserer Ehrenpräsidentin verlieren wir eine hoch geschätzte Persönlichkeit, die bis zum Schluß kämpferisch für die Belange der LandFrauen eingetreten ist“, erklärte Präsidentin Juliane Vees. „Ruth Wößner hat unsere Verbandspolitik maßgeblich geprägt, war für viele Frauen eine Förderin und Vorbild und wird uns in bester Erinnerung bleiben.

 

Die Gründung des LandFrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern geht maßgeblich auf ihre Initiative zurück. Die Bäuerin und Hauswirtschaftsmeisterin war eine Kämpferin für die Rechte der LandFrauen und sie wurde 1981 zur ersten Vorsitzenden des neu gegründeten Verbandes gewählt. Zwei Jahre zuvor hatten sie die Freudenstädter LandFrauen zur Vorsitzenden ihres Kreisverbandes bestimmt. Ruth Wößner war LandFrau mit Leib und Seele und stand 13 Jahre lang an der Spitze des Landesverbandes. Sie leistete erfolgreiche Aufbauarbeit an vorderster Stelle, organisierte ein stetig wachsendes Bildungs-und Kulturangebot und vertrat die Interessen der Bäuerinnen mit viel Geschick und Herzblut in Berufsstand, Politik und Öffentlichkeit. Sie war auch die treibende Kraft bei der Gründung des Bildungs- und Sozialwerks der Landfrauen e.V. im Jahr 1984.

 

Durch die Aufnahme in den Deutschen LandFrauenverband im Jahr 1985 sorgte sie auch für die bundesweite Anerkennung des LandFrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern. Als sie aus Rücksicht auf ihre Gesundheit ihr Amt auf Landesebene 1994 abgeben musste, wurde sie in Würdigung ihrer Verdineste zur Ehrenpräsidentin ernannt. Im Jahr 2000 legte sie dann auch den Vorsitz in ihrem Kreisverband nieder. Neben ihrem beispielhaften ehrenamtlichen Einsatz im LandFrauenverband hat Ruth Wößner die Interessen der Bäuerinnen von 1981 bis 1994 auch im Vorstand der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger und in verschiedenen genossenschaftlichen Gremien vertreten. Im Deutschen LandFrauenverband war sie von 1985 bis 1995 Mitglied des Bundesvorstandes und von 1992 bis 1995 Vorsitzende des Umweltausschusses.

 

Zu den besonderen Verdiensten von Ruth Wößner gehört ihr Einsatz für die Bäuerinnenrente. Für ihr großes Engagement und ihre Leistungen in Beruf und Ehrenamt wurde Ruth Wößner mit hohen Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, der Staats-medaille in Gold des Landes Baden-Württemberg, der Goldenen Ähre des Landesbauernverbandes und nicht zuletzt mit der Goldenen Biene des Deutschen LandFrauenverbandes.