Pressemitteilungen 2021

Deutscher LandFrauenverband fordert: Geschlechtergerechtigkeit endlich fest in Gemeinsamer Agrarpolitik verankern

Ravensburg/Berlin, 11.06.2021 – Obwohl die Trilog-Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene noch keinen Abschluss gefunden haben, hat der Bundestag gestern zentrale Gesetze zur neuen Förderperiode verabschiedet. Die besondere Lage der Frauen in der Landwirtschaft wurde lediglich in einem Entschließungsantrag der Linken thematisiert. Die Erwartung der LandFrauenverbände in Deutschland ist groß, dass in der weiteren Umsetzung der GAP konkrete Frauen-Förderprogramme folgen. Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) fordert, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der weiteren Ausgestaltung der GAP auf Bundes- und Länderebene Eingang findet.

 

Eine nach wie vor völlig unzureichende Geschlechtergerechtigkeit der GAP kritisierte auch die Erste Vizepräsidentin des dlv, Juliane Vees, die am vorausgehenden Montag als Sachverständige in der öffentlichen Anhörung des Ausschusses Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag geladen war. „Damit die GAP erfolgreich sein kann, müssen die Fördermaßnahmen auch im Sinne der Frauen nachjustiert werden. Dafür müssen aktuelle Missstände erfasst, spezifische Bedarfe abgeleitet und entsprechende Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Das ist nicht nur ein Gebot der Fairness, sondern trägt auch dazu bei, das Potential der Frauen zur Entwicklung der ländlichen Räume nutzbar zu machen. Wir brauchen beispielsweise spezielle Förderprogramme im Bereich Beratung, Coaching und Qualifizierung, um Frauen in der Landwirtschaft für die immer komplexer werdenden Herausforderungen zu rüsten“, forderte Vees im Ausschuss.

 

Der EU-Verordnungsentwurf zum GAP-Strategieplan sieht erstmals die Verankerung der Geschlechtergerechtigkeit vor – und zwar im Ziel h, einem von insgesamt zehn Zielen. Der dlv rechnet fest damit, dass dieses im Rahmen des Trilogs nicht mehr herausverhandelt wird und bewertet das als einen wichtigen ersten Erfolg. „Das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist endlich auch bei der EU-Kommission angekommen. Das Gleiche erwarten wir von den Parlamentarierinnen und Parlamentariern des Deutschen Bundestages sowie von den Verwaltungen von Bund und Ländern“, erklärt dlv-Präsidentin Petra Bentkämper.

 

Der dlv fordert, dass sich die Geschlechtergerechtigkeit nicht nur in einem von zehn Zielen wiederfindet, sondern sich durch die gesamte GAP zieht. Deutschland schneidet im EU-Vergleich besonders schlecht ab, wenn es um den Anteil der Leiterinnen landwirtschaftlicher Betriebe, Hofnachfolgerinnen oder Existenzgründerinnen geht. Auch in den ländlich-agrarischen Gremien sind Frauen in Deutschland deutlich unterrepräsentiert – aus dlv-Sicht lediglich mit verbindlichen Quoten regelbar.

 

Die Statements von Juliane Vees während der Anhörung finden Sie unter folgendem Link, ab ca. Minute 27 sowie ab 1h30min: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a10_Ernaehrung_Landwirtschaft/anhoerungen#url=L2F1c3NjaHVlc3NlL2ExMF9Fcm5hZWhydW5nX0xhbmR3aXJ0c2NoYWZ0L2FuaG9lcnVuZ2VuLzg0MzQ1MC04NDM0NTA=&mod=mod578766 


Digitales BäuerinnenForum 2021 ein voller Erfolg

Engagierte Fachdiskussion über Herausforderungen der Farm-to-Fork-Strategie für Landwirtinnen. Politik muss nachjustieren.

 

Ravensburg/Berlin, 19.01.2021 – „Premiere gelungen!“, resümiert Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) das erste digitale BäuerinnenForum in der Geschichte des Verbandes, zu dem sich rund 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, dem dlv und anderen Verbänden zugeschaltet hatten. „Die Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Union ist ein wirklich komplexes Thema, dem wir LandFrauen uns stellen müssen. Umso erfreulicher ist die große Resonanz und diskussionsfreudige Auseinandersetzung mit der Strategie und unseren fachkompetenten Gästen beim BäuerinnenForum“, so Petra Bentkämper. 

 

Einigkeit bestehe darin, so fasste Juliane Vees, Präsidentin des LandFrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern und 1. Vizepräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, die Diskussion beim BäuerinnenForum zusammen, dass alle miteinander eine große Verantwortung dafür trügen, das Klima zu schützen. „Bäuerinnen und Bauern brauchen aber umsetzbare Ziele, die zwingend auch honoriert werden müssen. Nachhaltigkeit als zentrale Forderung muss für die Ökologie gelten, aber ebenso für die Ökonomie sowie die soziale und gesellschaftliche Betrachtung.“

Neben einem wissenschaftlichen und einem politischen Input wurde die Frage debattiert, wie der Green New Deal und im Besonderen die Farm-to-Fork-Strategie gelingen kann. Fokussiert war die Diskussion vor allem hinsichtlich des angekündigten Zieles, die gesamte Lebensmittelkette von der Landwirtschaft über die Lebensmittelindustrie und den Handel bis hin zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu betrachten.

 

Weitestgehend einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass die EU-Strategie bis 2030 Anforderungen an Klimaschutz, Pflanzenschutz, Tiergesundheit und Tierwohl sowie Verbraucherschutz formuliert. Aus Sicht der Politik, die die nordrhein-westfälische Landwirtschafts- und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und der brandenburgische Landwirtschafts- und Umweltminister Axel Vogel vertraten, fehlen in der Strategie detaillierte Ziele, die die verarbeitende Industrie und den Lebensmittelhandel in seiner Verantwortung adressieren und verpflichtende Maßnahmen einfordern.

 

Aus Sicht der Wissenschaft, hier vertreten durch Bernhard Osterburg, Leiter Stabsstellen Klima und Boden beim Thünen-Institut, stelle sich die Frage, wie die unterschiedliche Ausgangssituation der EU-Mitgliedsstaaten in diesem Prozess, klimaneutraler und umweltfreundlicher zu produzieren, bewertet wird und ob bereits erreichte Reduktionserfolge z.B. aus dem Pflanzen- und Umweltschutz im Prozess einbezogen werden.

Peter R. Müller, Geschäftsführer von Bayer CropScience, sieht die Industrie als Partner für Effizienz, digitale Technologien und künstliche Intelligenz. Zudem zeigte er Ansätze für einen künftigen CO2-Handel auf, die Einkommenschancen bieten könnten.

 

Für Magdalena Zelder, Landwirtin und Existenzgründerin mit Direktvermarktung, ergeben sich aus der Strategie neben klaren Chancen auch viele offene Fragen. An erster Stelle steht die Sicherstellung von Breitband für den ländlichen Raum als Voraussetzung für moderne Landwirtschaft. Hinsichtlich konkreter Forderungen der Farm-to-Fork-Strategie und ambitionierter Ziele zum Antibiotikaeinsatz sagt Magdalena Zelder: „Ich muss aber nach guter fachlicher Praxis meinen Tieren einen guten Gesundheitsstatus ermöglichen.“ Der Forderung im Strategiepapier nach mehr Biolandbau stehe Zelder offen gegenüber. Sie sehe aber klar das Problem, dass die Abnahme der dann erzeugten Produkte nicht geregelt sei und die Märkte dafür fehlten. Zudem vermisse sie Aussagen zur finanziellen Ausgestaltung der Strategie, die Landwirtinnen und Landwirten die nötige Planungssicherheit im Umbauprozess ermöglicht. „Naturschutz, Umweltschutz und Landwirtschaft“, so Magdalena Zelder, „müssen mehr miteinander arbeiten, nicht gegeneinander, denn wir haben dieselben Ziele.“

 

Mit Nachdruck verwies Präsidentin Juliane Vees darauf, dass die gesamte Lebensmittelkette sowie die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung stehen, an den entsprechenden Parametern zu arbeiten. Hier müsse die EU aus Sicht der Diskutanten nachjustieren. Bezüglich der Auswirkungen auf die Praxis formulierte Vees: „Eine Folgenabschätzung im Vorfeld ist unabdingbar, nur so sind landwirtschaftliche Betriebe bereit, ihre Strukturen anzupassen und noch stärker klimatechnisch auszurichten. Planungssicherheit, wissenschaftliche Begleitung sowie Innovation sind zentrale Elemente, damit die gesamte Lebensmittelkette – vom Acker bis zum Teller – ihre Chancen in der Farm-to-Fork-Strategie erkennen.“

 

Ab 20. Januar 2021 ist das BäuerinnenForum 2021 im Netz abrufbar unter

https://www.youtube.com/user/LandFrauenVideo